Pressemitteilung

Forstwirtschaft im Wandel: Der Mensch im Mittelpunkt

7. Mai 2026

  • Bedeutung des Menschen für die Zukunft des Waldes
  • Überwindung des Fachkräftemangels und neue Berufsbilder
  • Fokus auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

Die Forstbranche befindet sich aktuell in mehrfacher Hinsicht in einer tiefgreifenden Transformation. Der Klimawandel erfordert eine Neuausrichtung der Waldbewirtschaftung. Digitales Waldmanagement sowie hochtechnisierte Maschinen und Geräte eröffnen hierfür neue Möglichkeiten. Dennoch bleibt der Mensch im Zentrum der Forstwirtschaft – er entwickelt, steuert und setzt Maßnahmen um. Von 15. bis 18. Oktober 2026 bildet die INTERFORST – internationale Leitmesse für Forstwirtschaft und Forsttechnik – die gesamte forstliche Wertschöpfungskette unter dem Aspekt des Leitthemas „Fokus Mensch“ ab.

In Deutschland arbeiten laut Initiative „Charta für Holz 2.0“ des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) rund eine Million Menschen im Cluster Forst & Holz, zu dem Forstbetriebe, Waldbesitzende, Sägewerke sowie die Papier- und Möbelindustrie zählen. Mit ca. 120.000 Unternehmen und einem Jahresumsatz von über 187 Milliarden Euro bildet das Cluster Forst & Holz einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. In der Europäischen Union sind entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Forst- und Holzwirtschaft rund 3,6 Millionen Menschen beschäftigt (Employment in Forestry and Wood-Based Industries, 2024).

Eine nachhaltige Forstwirtschaft ist ohne engagierte Menschen nicht möglich. Waldarbeiter und Förster, Unternehmer, Wissenschaftler sowie Waldbesitzer sichern durch ihr Wissen und ihre Arbeit die ökologischen, wirtschaftlichen und weiteren gesellschaftlich relevanten Funktionen des Waldes. Der „Fokus Mensch“ stellt den Menschen als zentralen Gestalter, Nutzer und Bewahrer des Waldes in den Mittelpunkt und macht deutlich: Wald und Mensch arbeiten Hand in Hand.

Zukunft der Forstwirtschaft: Fachkräfte, Nachwuchs und neue Berufsbilder

Viele forstliche Betriebe berichten von Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Insbesondere Forstmaschinenführer, Forstwirte, Forstingenieure sowie GIS- und Datenexperten sind rar. Der akute Fachkräftemangel im Cluster Forst & Holz wird in der „Charta für Holz 2.0“ des BMLEH bestätigt. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Ein hoher Altersdurchschnitt der Beschäftigten und fehlende Nachwuchskräfte, die gestiegenen Anforderungen an spezialisierte Fachkräfte und Technik sowie die Abwanderung von Fachkräften in andere Branchen zählen dazu. Gleichzeitig verändert der Generationenwechsel in Betrieben, Forstverwaltungen und unter Waldbesitzenden die Strukturen der Branche. Neue, oft urban wohnende Waldbesitzende haben einen erhöhten Beratungsbedarf.

Die Strategien zur Fachkräftegewinnung sind vielfältig, darunter Ausbildungsoffensiven und eine Stärkung des Branchenimages. Zudem spielen die Rekrutierung neuer Arbeitskräfte – insbesondere von Frauen und Quereinsteigenden – sowie attraktivere und familienfreundlichere Arbeitsbedingungen eine wichtige Rolle. Technologische und digitale Lösungen können Fachkräfteengpässe zwar abfedern, gleichzeitig soll aber auch die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen verstärkt sowie die Weiterbildung vorangetrieben werden.

Die Forstbranche hat sich in den letzten Jahren technisch und strukturell stark weiterentwickelt. Neben klassischen Berufen wie Forstwirt oder Förster entstehen neue Spezialisierungen, wie z. B. Forst-Drohnenpilot, Forsttechniker mit digitalem Schwerpunkt, Ökologie- und Nachhaltigkeits-Manager oder Geodaten-Analyst. Dies erfordert neue Qualifikationen, insbesondere in den Bereichen Maschinenbedienung, Datenanalyse und digitales Waldmanagement.

Um Nachwuchskräfte zu gewinnen, will die Branche gezielt junge Talente ansprechen. Ihre technische Affinität und ihre vielseitigen Interessen in den Bereichen gesellschaftliche Verantwortung, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Biodiversität können in der Forstwirtschaft gelebt werden und bereichern diese. Entsprechend werden Ausbildungsberufe und Studiengänge modernisiert sowie die Digitalisierung bei der Waldarbeit erlebbar gemacht.

„Wertschätzung, transparente Kommunikation sowie verlässliche Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten machen einen attraktiven Arbeitgeber aus. Gerade für den Berufseinstieg zählen klare Perspektiven und gute Begleitung – wenn dabei die Work-Life-Balance eine größere Rolle spielt, ist das kein Zeichen von fehlender Einsatzbereitschaft, sondern Ausdruck veränderter Lebensrealitäten“, erläutert Caren Raddatz, Bundessprecherin vom Jungen Netzwerk Forst, und ergänzt: „Zudem müssen sich heutzutage viele Beschäftigte im Forstbereich zunehmend für ihre Arbeit rechtfertigen. Insbesondere junge Fachkräfte brauchen neben sinnstiftenden Tätigkeiten und modernen Arbeitsstrukturen Rückhalt. Wer diese Erwartungen ernst nimmt, gewinnt langfristig engagierte Mitarbeitende und stärkt die Zukunft der Branche.“

Sicherheit und Gesundheit im Wald bleibt zentrale Verantwortung

Trotz moderner Forsttechnik bleibt die Arbeit im Wald körperlich anspruchsvoll und zählt mit 5.188 meldepflichtigen Unfällen 2024, laut Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG), zu einer der gefährlichsten Berufsfelder. Zu Unfällen kommt es immer wieder durch herabfallende Baumteile, Stürze auf unebenem Gelände oder im Umgang mit der Motorsäge. Moderne Forstmaschinen, die persönliche Schutzausrüstung, Schulungen und klare Sicherheitsstandards wirken dem entgegen. Sie tragen dazu bei, Risiken zu minimieren und die Arbeitsbedingungen kontinuierlich zu verbessern.

Als zentraler Akteur ist die SVLFG mit den Themen Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Präventionsmaßnahmen zur Unfallverhütung auf der INTERFORST vertreten. „Moderne Technik unterstützt und schützt den Menschen bei der Waldarbeit, ersetzt jedoch nicht Verantwortung und Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigten. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz müssen daher weiterhin integraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Forstwirtschaft sein. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau setzt dabei auf wirksame Präventionsmaßnahmen sowie praxisnahe Informationen und Schulungen. So leisten wir einen grundlegenden Beitrag für sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze im Wald“, so Henner Braach, Vorstandsvorsitzender der SVLFG.
Auf der INTERFORST zeigen renommierte Aussteller moderne Schutzausrüstungen für die Waldarbeit, darunter z. B. Pfanner Schutzbekleidung GmbH, Lamm GmbH oder HF Sicherheitskleidung Produktions- u. Vertriebs GmbH.

Forstwirtschaft als Motor für ländliche Regionen

Der Wald ist für viele Menschen eine wichtige Erwerbsquelle. Fachkräfte in der Forstwirtschaft tragen aktiv dazu bei, die Wälder nachhaltig zu entwickeln und für zukünftige Generationen zu erhalten. 91 Prozent der Fläche Deutschlands sind ländlich geprägt und über die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt in ländlichen Regionen, so fasst es das BMLEH 2024 im „Vierten Bericht zur Entwicklung ländlicher Räume“ zusammen. Forstliche Arbeitsplätze sind eng mit der Region verbunden, häufig in ländlichen Gebieten angesiedelt, und leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der lokalen Wirtschaft. Durch den Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten entstehen neue berufliche Perspektiven. Forstbetriebsgemeinschaften, Waldgenossenschaften und Familienbetriebe spielen eine wichtige, strukturgebende Rolle für den Kleinprivatwald im ländlichen Raum.

Der Mensch bleibt im Wandel von Klima, Digitalisierung und moderner Technik der entscheidende Faktor für eine nachhaltige und zukunftsfähige Forstwirtschaft sowie ein nachhaltiges Wirtschaften generell. Im Kontext der modernen Forstwirtschaft bedeutet „Fokus Mensch“ daher: Technologie, nachhaltige Waldbewirtschaftung und wirtschaftliche Wertschöpfung immer in Verbindung mit den Menschen zu denken, die diese Systeme tragen und weiterentwickeln.

Spannendes Kongress- und Forumsprogramm

Das vielfältige Kongressprogramm der INTERFORST 2026 beschäftigt sich intensiv mit dem Thema „Fokus Mensch“, unter anderem im Vortrag „Nachhaltiges Personalmanagement in der Forstwirtschaft“ von Dr. Maria Eberlein, Volksbank Raiffeisenbank. Caren Raddatz, Bundessprecherin vom Jungen Netzwerk Forst, wird zum Thema „Was macht einen attraktiven Arbeitgeber aus?“ referieren.
Mit den Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz beschäftigt sich der Vortrag „Sichere Holzernte im Zukunftswald“ von Christian Grundwaldt, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Im Forum geht es um den „Generationswechsel im Wald – Senior und Junior berichten über Stolpersteine“ und neue Waldbesitzende können sich zum Thema „Hilfe, ich habe einen Wald (geerbt, gekauft), wie geht es weiter?“ informieren.

Tickets für die INTERFORST sind ab sofort erhältlich.

Zugehöriges Bildmaterial

Ein Mann in Kletterausrüstung hängt an einem aufgestellten Baumstamm, der mit orangenen Gurten fixiert wurde.
© Messe München GmbH
Forstwirtschaft im Wandel: Der Mensch im Mittelpunkt
In maximaler Qualität herunterladen
Ein Mann in Kletterausrüstung hängt an einem aufgestellten Baumstamm, der mit orangenen Gurten fixiert wurde.
© Messe München GmbH
Forstwirtschaft im Wandel: Der Mensch im Mittelpunkt
Ein lächelnder Mann mit kurzen, dunklen Haaren und einem leichten Bartschatten trägt ein dunkelblaues Jackett und ein weißes Hemd.
Felix Kirschenbauer
+49 89 949-21472
+49 89 949-21472
E-Mail schreiben
E-Mail schreiben