Wald digital denken: Chancen und Lösungen für die moderne Forstwirtschaft
Wie in vielen anderen Wirtschafts- und Lebensbereichen hält die Digitalisierung auch in der Forstwirtschaft Einzug und verändert Prozesse, Entscheidungswege und Arbeitsabläufe grundlegend. Vor dem Hintergrund von Klimawandel sowie steigenden Anforderungen an Effizienz, Nachhaltigkeit und Transparenz eröffnet sie neue Möglichkeiten: Wälder können datenbasiert analysiert, Arbeitsprozesse optimiert und Entscheidungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette fundierter getroffen werden. Begriffe wie Forstwirtschaft 4.0, Wald 4.0 oder Smart Forestry stehen für den Einsatz digitaler Technologien in der modernen Forstwirtschaft.
Mit dem Leitthema „Digitalisierung Forst & Holz“ fungiert die INTERFORST als zentrale Plattform für Information, Austausch und Innovation – sowohl im Rahmenprogramm als auch bei Ausstellern aus unterschiedlichen Produktgruppen.
Daten als Fundament der digitalen Forstwirtschaft
Daten bilden das Fundament der digitalen Forstwirtschaft, indem sie den Wald in Echtzeit messbar und analysierbar machen. Hochauflösende Luftbilder, präzise Satelliten- und Geländedaten sowie maschinengenerierte Informationen liefern einen transparenten Einblick in den Wald. Werkzeuge wie moderne Geoinformationssysteme (GIS), Drohnen und Sensorik ermöglichen die Datenerfassung, während Künstliche Intelligenz (KI) die Auswertung der Wald- und Umweltdaten übernimmt. So stehen Forstleuten heute umfassende Informationen zu Bestand, Standort sowie ökologischen und ökonomischen Kennwerten ihres Waldes zur Verfügung. Digitale Daten werden mittlerweile in fast allen Bereichen der Waldbewirtschaftung genutzt, um Arbeit effizienter und nachhaltiger zu gestalten und Arbeitsvorgänge sowie Beteiligte zu vernetzen: Forstbetriebsplanung, Holzeinschlag & Pflege, Naturschutz & Biodiversität, Klimaanpassung sowie Berichte & Monitoring.
Geräte und Systeme zur Analyse und Vermessung
Innovative Technologien erleichtern heute die Analyse und Vermessung von Wäldern erheblich. Neben klassischen Methoden kommen zunehmend digitale Systeme zum Einsatz, etwa GPS-gestützte Vermessung, Geoinformationssysteme (GIS), Satellitenaufnahmen sowie Drohnen mit hochauflösenden Kameras oder Laserscannern. Besonders LiDAR-Technologie (Laser-Scanning) ermöglicht es, Waldflächen, Geländeformen und Baumhöhen präzise dreidimensional zu erfassen und daraus detaillierte Daten für Waldinventur, Planung und nachhaltige Bewirtschaftung abzuleiten. Durch die Kombination und KI-Auswertung solcher Sensor- und Datensysteme können große Waldgebiete schneller analysiert und forstliche Entscheidungen auf einer deutlich besseren Datengrundlage getroffen werden.
Terrestrische Vermessung und Forstkartenerstellung
Zu den Aufgaben der Katasterverwaltung gehören unter anderem die Forstkartenerstellung und terrestrische Vermessung. Ihr Sinn und Zweck: die Dokumentation von Grenzen und Ermittlung von Eigenschaften bestimmter Geländeoberflächen. Gängige Methode ist das terrestrische 3D-Laserscanning (TLS), bei der Objekte berührungslos in einem fest definierten Raster erfasst werden. Die dabei entstehende unstrukturierte Punktwolke stellt ein dreidimensionales Abbild des jeweiligen Messobjekts dar. Darüber hinaus werden auf der INTERFORST auch GPS-Vermessung, Laser- und 3D-Vermessung, reflektorlose Messungen sowie automatische Zielfindung und -verfolgung ein Thema sein.
Telekommunikation
Telekommunikation in der Forstwirtschaft umfasst moderne Technologien, die Maschinen, Sensoren und Menschen im Wald miteinander vernetzen. Beispiele dafür sind:
- Maschinenkommunikation (Telemetrie): Harvester und Rückezüge übermitteln Betriebsstunden, Standorte und Holzvermessungsdaten in Echtzeit.
- Funkkommunikation: Trotz Funklöchern bleiben Funkgeräte – teilweise sogar in Gehörschutz integriert – essenziell, um die Sicherheit bei der Holzernte zu gewährleisten.
- 5G-Netze: Die Übertragung großer Datenmengen ermöglicht die Vernetzung von Sensoren und unterstützt so Echtzeit-Monitoring und digitale Waldprozesse.
Durch diese Technologien werden Arbeitsprozesse effizienter, transparenter und sicherer gestaltet.
Holzkennzeichnung, Holznummerierung, Markierungshilfsmittel und Signierfarben
Die Holzkennzeichnung dient der eindeutigen Identifikation von Stämmen und Holzsortimenten entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Einschlag im Wald bis zur Weiterverarbeitung im Sägewerk. Häufig erfolgt die Markierung direkt im Bestand oder nach der Fällung mit wetter- und UV-beständigen Signierfarben, Markierungssprays oder speziellen Forstmarkierern. Zusätzlich kommen nummerierte Plaketten, Barcode- oder RFID-basierte Systeme zum Einsatz, mit denen einzelne Stämme eindeutig erfasst und digital nachverfolgt werden können. Solche Kennzeichnungssysteme lassen sich teilweise auch in Sortier- und Verarbeitungsprozesse integrieren und unterstützen eine effiziente Holzlogistik sowie die Rückverfolgbarkeit der Holzherkunft.
Rundholzvermessung, Volumen- und Gewichtsermittlung
Ein möglichst exaktes dreidimensionales Abbild eines Rundholzes hilft dabei, beim Schälen ein quantitatives und qualitatives Maximum zu erzielen. Dazu wird das Stammprofil mit leistungsstarken 3D-Scannern gemessen, um Unregelmäßigkeiten und Konturfehler zu erkennen und so eine Klassifizierung der Rundhölzer vornehmen zu können. Das kann sowohl manuell als auch digital erfolgen, wobei Letzteres eine deutliche Zeitersparnis bedeutet. Dabei werden auf Fahrzeugen liegende Rundhölzer per Digitalkamera aus allen Perspektiven fotografiert, was auch bei unregelmäßig gestapelten Poltern oder schwierigen Lichtverhältnissen funktioniert. Aus den erfassten Daten wird eine 3D-Ansicht berechnet und ein Messbericht erstellt.